Von den Anfängen bis zum eingetragenen Verein 2021.
Als im Jahre 1987 bei der Berufsfeuerwehr Herne ein LF 16 Magirus-Deutz Rundhaube ausgemustert werden sollte, tat es einigen Kameraden des Löschzuges „In der Wanne“ in der Seele weh, dass dieses schöne alte Fahrzeug in fremde Hände abgegeben werden sollte.
Es wurde überlegt, wie man dies verhindern könnte und es war die Idee geboren, künftig alte Feuerwehrfahrzeuge und -geräte zu sammeln und zu pflegen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Nach langen Verhandlungen gelang es, die Führung der Berufsfeuerwehr davon zu überzeugen, dass dieses Fahrzeug erhaltenswürdig sei.
Das LF 16 wurde daraufhin den Männern des Löschzuges „In der Wanne“ zur Erhaltung und Pflege übergeben. Der Anfang war gemacht, es entstanden die „Oldtimerfreunde Herne“.
Viele fleißige Hände des Löschzuges „In der Wanne“ verbrachten unter der Federführung des Kameraden Jürgen Litzenburger viele Stunden Freizeit mit der Pflege des Rundhaubers, und das Fahrzeug entwickelte sich dabei zu einem wahren Schmuckstück. Noch heute heißt dieses LF 16 bei den Oldtimerfreunden „JL“ und auch das Nummernschild erinnert an Jürgen Litzenburger.
Eine Einladung zu einer Oldtimerschau der Feuerwehr Tecklenburg kam gerade zum richtigen Zeitpunkt und brachte für die Kameraden ein einschneidendes Erlebnis: Von vierzig ausgestellten Fahrzeugen errang ihr LF 16 den ersten Preis.
Eine tolle Belohnung für die viele Arbeit!
Sammlung, Kontakte und Sternfahrten
Angetrieben durch diesen Erfolg und die vielen Kontakte des damaligen Löschzugführers Klaus-Peter Zimmert (KPZ) erweiterte sich die Sammlung durch Leihgaben aber auch Geschenke an die „Oldtimerfreunde Herne“.
Von der Hüls-Chemie kam z.B. 1991 ein Sonderlöschfahrzeug (LF 16, Mercedes Benz 311, mit einer CO2- und Schaumlöscheinrichtung) sowie 1992 auch der alte Funkbrückenwagen (O 319 D, Daimler-Benz) von der Berufsfeuerwehr der ehemaligen Stadt Wanne-Eickel (von 1966 bis 1975 dort im Dienst) dazu. Beide Fahrzeuge haben uns seit der Sternfahrt nach Ebeltoft (1997) bis zuletzt nach Dorfgastein (2019) als fahrbarer Untersatz gedient.
Seit der ersten Teilnahme an der Feuerwehrsternfahrt 1993 in Gyula keimte beim Kameraden „KPZ“ der Wunsch, die in Herne gepflegten Oldies auch auf die Reise zu schicken und so war mit der ersten Teilnahme in Meppen zwei Jahre später dieses Ziel erreicht. 1999 fuhren wir sogar über die Alpen!
Nach den Sternfahrten nach Meppen (1995), Ebeltoft (1997) und der ersten erfolgreichen Alpenüberquerung auf dem Weg nach Krumpendorf (1999) mit der Passage des Felbertauerntunnels ermutigt, intensivierte sich die Freude an den alten Feuerwehrschätzchen auch in anderen Löschzügen der Freiwilligen Feuerwehr Herne. Aus diesem Kreis entwickelt sich im Laufe der Jahre aus den Teilnehmern unterschiedlichster Herner Löschzüge ein „harter Kern“.
Maßgeblich beteiligten sich seit der Sternfahrt nach Meppen neben KPZ und seiner Frau Silvia vorrangig Kameraden der Löschzüge „In der Wanne“, „Eickel“ und „Herne-Mitte“ an den Sternfahrten mit Oldtimern. Dazu zählten bzw. zählen auch die Kameraden, von denen Heinrich Lakomy, Peter Iwan (†), Klaus-Peter Zimmert und Fritz Hoppe bereits 1993 in Gyula dabei waren.
Im Jahre 2005 bahnte sich ein enger Kontakt zu den Feuerwehrkameraden Peter Hoffmann († 2018) und Werner Zinndorf († 2022) an, die sich in Solingen jahrelang mit Feuerwehroldtimern intensiv beschäftigten und mit ihrer Erfahrung und ihren Netzwerken immer hilfreich zur Seite standen. Nachdem sich die beiden Kameraden mit ihren Frauen den Oldtimerfreunden Herne angeschlossen hatten, nahmen sie auch seit 2007 gemeinsam mit uns an den Sternfahrten teil.
Horst Schlemmer
Die Freude an den Sternfahrten ging beim Löschzug „Herne-Mitte“ so weit, dass der Wunsch nach einem eigenen Oldie immer größer wurde und der Traum sich dann endlich im September 2011 erfüllte.
Für den symbolischen Betrag von 1 EUR wurde von der Werkfeuerwehr Sasol Solvents Germany ein SLF-Sonderlöschfahrzeug (Daimler-Benz, Bj. 1981) durch den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Herne, Horst Schiereck, für den Löschzug „Herne-Mitte“ abgekauft und auf den Namen „Horst“ getauft.
Einen Tragkraftspritzenanhänger, den der Löschzug „Mitte“ von „KPZ“ geschenkt bekommen hatte, bauten sie zu einem Versorgungsanhänger für die Sternfahrt 2019 und weitere Aktivitäten der Oldtimerfreunde um. Seitdem bilden die beiden Fahrzeuge das Gespann „Horst Schlemmer“.
Bei der letzten Sternfahrt nach Dorfgastein 2019 war klar, dass unser Kamerad „KPZ“ altersbedingt nach rund 25 Jahren die Durchführung der Sternfahrtteilnahmen beendet. Er, und auch seine Frau Silvia, haben uns dreizehn tolle Fahrten organisiert. Herzlichen Dank an die Beiden!
Zusammenhalt in schwierigen Jahren
Durch die kontinuierliche Teilnahme vieler Kameraden vom Löschzug „Mitte“ und den daraus resultierenden Erfahrungen der Vorjahre, hatten Männer dieses Löschzuges gerne die Planung der Sternfahrt nach Bruneck 2021 übernommen. Erste Kontakte zur Feuerwehr Bruneck bahnten sich bereits in Dorfgastein an.
Mit dem Corona-Ausbruch im Januar 2020 wurde der Termin zunächst auf 2022 und danach auf 2023 verschoben. Durch die unsichere Corona-Lage musste die Feuerwehr dann letztendlich, auch wegen behördlicher Auflagen, das Sternfahrerziel Bruneck ganz aufgeben.
Gott sei Dank schlief die Freude an den Oldtimern aber durch diese Motivationsbremse in Herne nicht ein und so gab es eine Reihe von Überlegungen, die Fahrzeuge nicht abgeben zu müssen und die Gruppe zusammenzuhalten. Eine „Mini“-Sternfahrt im Mai 2022 in die Rhön und im Jahr darauf einen Familientag im Wildpark Frankenhof bei Reken waren hierfür gute Ansätze.
Vom Freundeskreis zum Verein
Um die Fahrzeuge „zu retten“ und das Erbe von „KPZ“ nicht untergehen zu lassen, mussten aber auch finanzielle Lösungen gefunden werden. Denn viel Unterstützung hat es bisher für die Oldtimer nicht gegeben, obwohl viele Kameraden in den vergangenen Jahren gerne zur Sternfahrt mitgefahren waren. Die begrenzten Mittel der Stadt bzw. Feuerwehr Herne brachten, ebenso wie der Stadtfeuerwehrverband Herne e.V., auch keine große Hilfe. Unterbringung, Instandhaltung, TÜV, nur um einige Kostenpunkte zu nennen, konnten und können zukünftig nicht von einigen Idealisten getragen werden.
Um dieses Risiko aufzufangen kam es letztendlich zur Gründung des Vereins zur Förderung und Erhaltung des materiellen historischen feuerwehrtechnischen Kulturgutes der Stadt Herne e.V.
Ziel des Vereins ist die Aufarbeitung, Erhaltung und Pflege von eigenen historischen Feuerwehrfahrzeugen, Ausrüstungen und Gerätschaften. Zusätzlich sollen hierzu Dokumentationen mit Daten und Bildern aus ihrer Geschichte angefertigt werden. Es geht hierbei vornehmlich darum, Feuerwehrfahrzeuge, welche in Herne und Umgebung eingesetzt wurden, in einem möglichst betriebsfähigen Zustand zu erhalten und dauerhaft geordnet unterzubringen.
Durch die Gründung des Vereins, der in das Vereinsregister eingetragen wurde und auch vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt ist, besteht nun die Möglichkeit, dass Spenden, Beiträge und Materialien steuerlich abgesetzt werden können.
In der Gründungsversammlung am 11.04.2021 wurde Thomas Lakomý zum 1. Vorsitzenden und André Schnarre zum 2. Vorsitzenden gewählt. Mittlerweile gibt es 45 Mitglieder, einschließlich der Kinder von erwachsenen Mitgliedern, die monatlich feste Einnahmen garantieren, um z.B. die Unterstellmöglichkeit „Dodemann“ am Eickeler-Bruch zu ermöglichen.
Mit einzelnen Spenden und Materialzuwendungen für die Projekte des Vereins, der kurz Oldtimerfreunde VFEK Herne e.V. genannt wird, konnten Reparaturen, Versicherungen, eine neue Bereifung für „Horst“ und TÜV-Gebühren abgedeckt werden.
Zum Fahrzeugbestand des Vereins gehören das LF 16, das SLF 1113b, der TSA „Schlemmer“, ein Kühlanhänger „Klaus-Heiner“ und eine vor der Verschrottung bewahrte Feldküche „Leni“.
Zu den Projekten des Vereins zählen neben der Pflege des Fahrzeugbestandes auch die Restaurierung eines „geretteten“ LF 8 der ehemaligen Stadt Wanne-Eickel. Es war dort bis Juli 1987 im Dienst der Feuerwehr und wird mit Fotos und Erläuterungen der Rettungsaktion sowie dem Anfang der umfangreichen Restaurierung vorgestellt.
Besonders wichtig ist für die Oldtimerfreunde VFEK Herne e.V. die Organisation zukünftiger Teilnahmen an den Internationalen Feuerwehrsternfahrten und ähnlicher Veranstaltungen der Feuerwehr-Oldtimerszene. Denn, so haben wir im Laufe der vielen Jahre gelernt, werden Kontakte gepflegt und auch immer wieder neue geknüpft.